Amazone wider Willen

Es war die Zeit des König  Herons im Reiche Gallarien. Im Osten seines Reiches bedrohte ein scheinbar übermächtiger Gegner die Grenzen des Reiches. Das Volk der Gallaher bot alle Krieger auf um die Grenzen des Reiches zu schützen. Tausende  von schwergepanzerten Rittern zogen mit ihren Knappen in diese alles entscheidende Schlacht. Doch der Gegner war kein geringerer als Prinz Einos von Taurien. Sein Heer war gewaltig und gefürchtet. Am Fluß Tabris trafen die Heere aufeinander. Herons Reiter eröffneten das blutige Treffen doch sie wurden eingedeckt von den Pfeilen der Tauren und ihre besten Ritter fielen im Pfeilhagel. Dann folgte ein Kampf wie ihn noch keiner gesehen. Immer wieder wandte sich das Schlachtenglück von d
er einen zur anderen Seite. Keiner konnte dem Gegner einen entscheidenden Schlag versetzen.. Der Kampf zog sich bis in die anbrechende Dunkelheit. Viele Kämpfer auf beiden Seiten ließen ihr Leben und das Blachfeld war bedeckt von vielen Toten. Da brachte ein letzter verzweifelter Angriff  Herons  die Wende und  Prinz Einos Truppen  wurde in die Flucht geschlagen. Heron aber wurde von einer Lanze in die Seite getroffen und erlag noch auf dem Schlachtfeld seiner schweren Verletzung. Mit ihm waren unzählige seiner  Ritter  gefallen und der Klagegesang der Witwen erfüllte das Land. Die Schlacht hatte die Blüte des Landes dahingerafft und  Prinz Einos würde es gewiß erneut versuchen. Die junge Königin Anuwar aber trug bereits ein Kind von Heron unter ihrem Herzen.

In dieser Lage rief Anuwar die verbliebenen Großen des Reiches zu sich und bat diese darum auch ausgesuchten Frauen das Waffenhandwerk zu gestatten. Viele der Edlen waren dagegen, gar mancher sah seine eigene Frau ein Schwert führen, ein Gedanke der keinem behagte Doch Anuwar stellte alle vor die bittere Wahrheit das fast keine waffenfähigen Männer in Gallarien zu finden seien und Prinz Einos sicher erneut angreifen werde wenn sich die Gelegenheit dazu böte. Da gaben sie ihren Widerstand auf und  Anuwar ließ sofort im ganzen Reiche alle kampfeswilligen Frauen suchen. Zum Erstaunen aller  fanden sich viele ein. Die meisten hatten ihre Männer verloren und suchten nun ihr Heil im Kampf denn in der möglichen Sklaverei. Diese Frauen übten sich fortan den Männern gleich im Umgang mit den Waffen und ihre Königin bestärkte sie darin. Sie selbst liebte es in Rüstung aufzutreten und die Kunst des Schwertkampfes hatte sie am Hofe bei einem großen Schwertmeister gelernt. Um trotz ihres besonderen Umstandes  darauf nicht verzichten zu müssen, ließ sie sich beim besten Schmied des Reiches eine eigens dafür geschaffene Rüstung schmieden die wunderbar anzuschauen war. Einige Monate waren vergangen und bei der jungen Königin näherte sich   der Tag der Niederkunft als die Nachricht bei Hofe eintraf das Prinz Einos erneut das Reich bedrohte. Der junge Prinz erhob Ansprüche auf die Krone des Reiches und auf die Hand Anuwars da Heron keinen männlichen Erben hinterlassen hatte und die Geburt seines Kindes noch ausstand. Prinz Einos schickte einen Herold der die Forderung überbrachte und dabei hinzufügte das die Forderung notfalls mit Waffengewalt durchgesetzt werde .  Man empfing den Herold freundlich  aber sein Anliegen wurde abgewiesen. Solchermaßen zurückgewiesen  beschloss der junge Prinz die Königskrone mit Gewalt an sich zu reißen, und stellte ein mächtiges Heer auf. Er war sich des Sieges sicher   da er  um die schweren Verluste der Gallaher in der letzten Schlacht wusste und noch nicht viel Zeit seither verstrichen war .Königin Anuwar rief den hohen Rat zusammen und sie teilte dem Rat mit das sie  den Feldzug selbst führen werde da sie im Falle der Niederlage niemals Prinz Einos Gemahlin werden wolle und eher in den Tod zu gehen bereit war. Ihr Entschluss wurde von den Edlen des Reiches  zugleich mit großem Bedauern als auch mit Bewunderung ob der Unerschrockenheit der jungen Fürstin zur Kenntnis genommen. Sie alle gelobten
das Reich bis zum letzten Atemzuge zu verteidigen und es  wurden daraufhin alle Vorbereitungen getroffen um  Prinz Einos entgegenzutreten.

Der Tag der Entscheidung nahte und Königin Anuwar besprach sich mit ihren Heerführern wie dem mächtigen Feind zu begegnen sei. Alle Anwesenden wussten um die Schwere des Kampfes der vor ihnen lag, zu hoch war der Blutzoll der letzten Schlacht, die gelichteten Reihen der Ritter konnten in der kurzen Zeit nicht aufgefüllt werden. Als das Volk vom erneuten  Herannahen des Feindes hörte meldete sich alt und jung, Mann und Frau um die Reihen des Heeres aufzufüllen. Und so zog eine gar sonderliches Heer dem letzten großen Kampf entgegen, geführt von ihrer jungen Königin in schimmernder Wehr.Vor der zerstörten Burg ihres Bundesgenossen Soman von
Karas schlug man das Heerlager auf um am folgenden Tage die Schlacht zu schlagen. Die Königin erkundete mit ihrem Kriegsrat das Gelände. Anuwar ließ auf Anraten der Heerführer spitze Palisaden in den Boden rammen um die feindliche Reiterei aufzuhalten. Jeder der einen Bogen auch nur halten konnte wurde zum Bogenschützen. Gräben wurden ausgehoben um den feindlichen Fußsoldaten das Vorrücken zu erschweren. Anuwar überwachte die Arbeiten und hatte für alle ein gutes Wort, denn sie alle kämpften um das Überleben des Reiches. Erschöpft vom langen Tag legte sie sich spät zur Ruhe, um noch ein paar Stunden Schlaf zu finden und vielleicht zum letzten Male den inzwischen heftigen Bewegungen ihres ungeborenen Kindes zu lauschen. Beim Gedanken an den bevorstehenden Tag und an die Möglichkeit das Kind im Kampfe zu verlieren, brach der ganze Schmerz aus ihr heraus. Die Zofe hörte die weinende Königin und wich die ganze Nacht nicht eine Sekunde von ihrer Seite. Die Königin schlief unruhig und wachte vor Morgengrauen auf.  Sie trat aus dem Zelt und  warf einen Blick auf das noch schlafende Heer. Wie viele von ihnen würden das Ende des Tages nicht erleben, sie erbebte bei diesem Gedanken. Da erinnerte sie sich der Worte ihreMutter, das es Gottes Plan sei all diejenigen zu sich zu rufen, deren Zeit beendet sei, und es keinen Sinn mache sich um einen Krieger zu sorgen. Sein Schicksal liege allein in Gottes Händen. Mit diesen Gedanken weckte sie ihre Zofe und befahl dieser ihr die Rüstung zu bringen. Ein letztes Mal  betrachtete sie ihren Leib. Das Kleine darin bewegte sich und gerührt streichelte sie es. Dann ließ sie sich die Rüstung anlegen. Ins Lager war inzwischen Bewegung gekommen, der Feind nahte und jeder bereitete sich für den Waffengang.Die nun gerüstete Königin betrachtete von einem Hügel das heranziehende Heer. Man beabsichtigte den heranziehenden Feind eine Zeitlang am angelegten Wall aufzuhalten, um ihn dann mit einem Angriff der Reiterei in die Flanke zu überraschen . Die Königin selbst sollte soweit wie möglich aus dem Kampfgeschehen herausgehalten werden, da ihr Tod das Ende des Reiches bedeuten würde. So bezog ein jeder seinen Posten. Der Morgen war neblig, Dunstschwaden zogen  über das Land. Es war still um die Burg. Die Tiere des Waldes hatten die Gefahr gewittert und das Weite gesucht.Die Sonne schickte ihre ersten warmen Strahlen durch die Dunstschleier und die Umrisse der Bäume wurden sichtbar. Die Burgruine ragte aus dem Nebel heraus und leuchtete im zartem Rot des neuen Tages.
Da zeriss der Klang der Fanfaren die Stille und der dumpfe Hufschlag der schweren Pferde ließ den Boden erzittern. Ein jeder sprach sich Mut zu , leise Gebete waren zu hören da erschien die schwere Reiterei Prinz Einos im Morgennebel. Die Lanzen wurden gesenkt und sie kamen schnell näher. Die Fußsoldaten hinter ihren Palisaden umfassten ihre Speere und Lanzen, die Bogenschützen spannten ihre Pfeile auf. Dann ein hundertfaches Sirren von Bögen und ein Pfeilhagel ergoß sich über die heranbrausenden schwergepanzerten Ritter. Ein metallisches Klirren begleitete den Pfeilhagel wenn die Pfeile auf die Harnische prallten. Getroffene Pferde bäumten sich unter lautem Wiehern auf. Ritter stöhnten und schrieen auf vor Schmerz wenn ein Pfeil  den Harnisch durchbohrte. Mancher Pfeil fand seinen Weg auch durch das Helmvisier oder die ungeschützte Halsberge. Die Reihen der Ritter lichteten sich. Dann gelangten sie an die Palisaden wo sie eine Wand von Speeren erwartete. Die vordersten versuchten die Palisaden zu überspringen. Die Verteidiger bohrten ihre Spieße und Lanzen in die ungeschützten Leiber der Pferde und sie stürzten mitsamt der Reiter. Die darniederliegenden Ritter wurden mit Spießen und Schwerten angegriffen und niedergemacht. Wieder und wieder ritten sie gegen die Palisaden an.  So sehr sie sich auch bemühten, den schwergepanzerten Ritter Prinz Einos gelang es nicht die Palisaden zu überwinden und viele verloren ihr Leben in diesem  aussichtslosen Kampf. Da wurde auch ihr Anführer von den gallarischen Fußsoldaten bedrängt. Einige Gallaher fielen unter seinen Schwertstreichen doch schließlich  wurde er vom Pferd gezogen. Auf dem Boden knieend rammte ihm ein Soldat Anuwars sein Schwert unter dem Helm hindurch tief in den Hals. Er sank sterbend zu Boden. Ohne ihren Anführer wandten sich die verbliebenen Ritter zur Flucht und machten so den nachrückenden Fußtruppen von Prinz Einos Platz. Die Schlacht entbrannte jetzt in voller Heftigkeit.  Nun zeigte sich das Prinz Einos Fußtruppen die kampferprobteren waren. Langsam und unter großen Verlusten mußte sich das Heer der Königin aus seiner vorteilhaften Lage am Wall zurückziehen. Viele der Getreuen Anuwars fielen unter den Streichen der immer zahlreicher anbrandenden Fußtruppen . In dieser bedrängten Lage beschloß die Königin den Angriff ihrer Reiterei selbst zu führen entgegen dem drängenden Flehen ihrer verbliebenen Treuen. Mit lautem Schlachtruf führte sie die schwergepanzerten  in den Kampf und der unerwartete Angriff in die Flanke des Gegners brachte dessen  Vorstoß für kurze Zeit zum Stocken. Ein kurzer Hoffnungsschimmer machte sich bei Anuwars Truppen breit. Weithin leuchtete der Panzer der Königin , Streich um Streich teilte sie aus und gar mancher sank von ihrer Axt getroffen zu Boden. Es schien als spüre sie die Schwere der Last gar nicht die sie unter ihrem Panzer trug.

Doch die Übermacht der Tauren war gewaltig . Immer neue Kämpfer bedrängten die Reihen der Königin. Prinz Einos formierte seine Truppen neu und warf nun seinerseits die Reiterei erneut in den Kampf. Nur kurze Zeit vermochten die Truppen der Königin diesem Ansturm zu widerstehen, dann brachen ihreLinien auf und viele sanken sterbend in den Staub. Auch Anuwar´s Kraft schwand jetzt mit jedem Schlag. Sie spürte ihren Körper kaum mehr, noch teilte sie mit ihrer Axt kräftige Hiebe aus Doch immer häufiger wurde sie von Lanzenstößen und Schwerthieben getroffen Die Schlacht geriet nun zum gnadenlosen Morden, schon lange waren die meisten Ritter von ihren Pferden abgestiegen oder waren aus den Sätteln gezerrt, heruntergerissen und erbarmungslos mit Messern, Schwertern oder Äxten erschlagen worden. Die noch lebenden waren eingekeilt in ihren Rüstungen, kaum beweglich, schwer atmend. Ihre Rüstungen wurden durchbohrt von Spießen, gestürzte Ritter wurden ohne Gnade mit einem Dolchstoß in die ungeschützten Stellen des Harnischs getötet. Aus den Rüstungen schossen Blut und Eingeweide. Der Boden war über und über bedeckt von Sterbenden und Erschlagenen. Verwundete riefen um Hilfe, Todesschreie übertönten das Klirren der Waffen. Da fiel auch der Bannerträger der Königin, ein anderer Ritter richtete das Banner erneut auf, brach aber am Haupte getroffen zusammen und riss das Banner mit sich zu Boden. Die Schlacht war entschieden. Die Zahl der Getreuen war dahingeschmolzen, die Königin selbst blutete aus vielen Wunden und konnte sich nur mit Mühe noch im Sattel halten. Ihre Leibwache leistete erbitterten Widerstand aber sie wurde einer nach dem anderen überwältigt von Prinz Einos Truppen. Da wurde die schon halb besinnungslose Königin von Fußsoldaten gepackt. Ihr Schlachtross bäumte sich auf , ein Speerstoß tief in seine Weiche ließ es straucheln. Ihr Hilferuf verhallte ungehört im Schlachtenlärm. Das Schicksal der Königin war besiegelt. Sie wurde aus dem Sattel gezerrt, ein Fußsoldat stieß einen Dolch mit großer Wucht gegen ihren Harnisch. Der Panzer gab unter dem heftigen Stoß nach und der Stahl bohrte sich tief in ihren Leib. Ein glühend heißes Stechen durchströmte ihren  Leib, tiefrotes Blut schoß aus der Wunde und strömte über ihren herrlichen Panzer. Dann schwanden ihr die Sinne. Ihr letzter Gedanke galt ihrem Ungeborenen Mit einem leisen Schrei hauchte sie ihr junges Leben aus. Als ihre Getreuen die geliebte Anführerin tot sahen wandten sie sich zur Flucht.  Prinz Einos ließ seine Truppen den Gallahern nachsetzen, niemand wurde verschont, der Ruf nach Gnade wurde mit dem Schwert beantwortet. Nur einer Handvoll gelang es zu entkommen.

Die Schlacht war zu Ende , das Reich der Gallaher erloschen und mit ihm seine tapferen Bewohner und vor allem seine Frauen, die in der höchsten Not das Kriegshandwerk erlernt und mit großer Tapferkeit bis zum Schluss gekämpft hatten um der sicheren Versklavung zu entgehen.

 

 

 

 

Sinube, die schöne Schwester Anuwars, deren Mann auch gefallen war, bat darum die Königin ehrenvoll bestatten zu dürfen, was Prinz Einos auch gewährte. So wurden der Leichnam der geliebten Königin unter großem Wehklagen von den wenigen Überlebenden in den Tempel gebracht um später auf dem Hügel der Könige, beigesetzt  zu werden. Die Überlebenden des Volkes der Gallaher wurden in die Fremde verschleppt und gingen dort in den anderen Völkern auf.

Die kriegerischen Frauen aber lebten weiter in den Legenden und Herzen der Menschen als das Volk der Amazonen mit ihrer Königin Anuwar.

Epilog

 

Prinz Einos nahm Sinube, die schöne Schwester Anuwars,  zur Frau und wurde damit zum Herrscher über beide Reiche.

Doch das gemeinsame Glück war nur von kurzer Dauer. Sinube war kurz davor  dem Reich einen Erben zu schenken, da ereilte Prinz Einos im Kampf sein Schicksal.

Doch das ist schon wieder eine andere Geschichte, die ich euch erzählen werde.