Echte Rüstungen

Wenn man wie ich eine Seite mit kleinen Ritterrüstungen präsentiert, kommt man kaum umhin auch einen Blick auf ein paar sehr schöne Exemplare in Originalgröße zu werfen.

Die gezeigten Rüstungen haben in der Mehrzahl als Repräsentationsobjekte gedient und wurden im Auftrag hochstehender Persönlichkeiten gefertigt,d.h. sie dürften kaum je einen Kampf erlebt haben und wurden teilweise speziell nur für einen Anlaß gefertigt, beispielsweise politisch wichtigen Hochzeiten o.ä.. Sie sind aber auch von so erlesener Qualität in der Verarbeitung das ihre Verwendung zu kriegerischen Zwecken nicht angemessen gewesen war

Um eine kleine Vorstellung davon zu bekommen welche Arbeit in der Erstellung eines derartigen Kunstwerkes liegt, sei hier ein kurzer Abriß über die Herstellung gegeben.

 

Zunächst schickte der zukünftige Träger der Rüstung Kleidungsstücke damit der Plattner die Maße auf das Rüstungsblech übertragen konnte denn diese “hohlen Statuen” waren in dieser Güteklasse gewissermaßen dem Träger auf den Leib geschnitten. Dann fertigte der Plattner, der Rüstungsschmied, die einzelnen Teile aus speziellem Blech , schnitt sie daraus aus und hämmerte kalt (oder je nach Form auch heiß) die Teile in die gewünschte Form. Anschließend wurden die Teile an der Außenseite mit Mühlen poliert um die Hammerdellen zu entfernen.  Es war daher wichtig das in der Nähe ausreichende fließende Gewässer für diese Schleif-Poliermühlen vorhanden waren.

Der nächste Schritt bestand bei diesen hochwertigen Rüstungen darin, sie den Treib-und Ätzkünstlern zu übergeben, damit diese mit verschiedensten Techniken die blanken Metallflächen verzieren konnten. Zum Einsatz kamen unter anderem folgende Techniken zur Verzierung und nicht zuletzt als Rostschutz.

- Ätzmalerei

Dabei wurde mit Säure ein vorher festgelegtes Muster ins Metall geätzt. Die so enstehenden Strukturen wurden hervorgehoben durch

-  Schwärzen , hierbei handelt es sich meines Wissens um die Behandlung des Eisens mit bestimmten Säuren. Dabei wird gleichzeitig eine chemisch widerstandsfähige Rostschutzschicht gebildet.

- Vergolden

a) feuervergolden - hierbei wird ein Goldamalgam (Quecksilber) auf das Metall aufgebracht und anschließend vorsichtig erhitzt. Dabei entweicht das Quecksilber als Gas (extrem giftig!), zurück bliebt das Gold als haudünne Schicht.

b) Goldschmelz - geätzte Vertiefungen werden mit Gold ausgefüllt

c) Goldtauschierung - flach aufgeschlagene Goldschicht, vertieft oder hervortretend

- Treibarbeiten, Gravierungen

Dann kamen die Teile zurück zum Plattner und es folgte der Zusammenbau der vielen Einzelteile . Die so geschaffene Rüstung wurde zuletzt dem Aufbereiter oder Tapezierer gegeben um sie innen mit Stoff auszuschlagen,  manchmal Seide oder Atlas. Die genannten Arbeitsschritte konnten zum Teil über ein Jahr in Anspruch nehmen.

Daraus erklärt sich auch der horrende Preis der dafür gezahlt werden mußte.

So ist der Preis einer besonders schönen Garnitur bekannt. Darunter versteht man zumeist eine Rüstung bei der verschiedene Teile entsprechend der Verwendung - Beispiel: Fußkampf, Gestech o.a. - ausgetauscht werden können. Der Preis dieser Garnitur betrug das 16-fache des Jahresgehaltes eines hohen Hofbeamten am Hofe des Kaiser Ferdinands I. im Jahr 1547.

Um es noch einmal zu sagen, die hier gezeigten Stücke übertreffen die gewöhnlichen Rüstungen , die auch im Krieg getragen wurden in Eleganz und Verarbeitung um ein Vielfaches aber sie mögen ein beredtes Zeugnis für das schon an anderer Stelle erwähnte außerordentliche Formgefühl sein, ganz zu schweigen von der höchsten handwerklichen Fertigkeit für die sie stehen. Wenn wir manchmal die wunderbaren handwerklichen Erzeugnisse anderer Kulturen bestaunen, dürfen wir auch die Augen nicht verschließen vor den Werken unserer eigenen Vorfahren die in einer, wie ich meine, dunklen Zeit solch schöne Dinge fertigten.

Ich für meinen Teil kann mir die Bewunderung vorstellen, die von der Erscheinung eines derart gerüsteten, oder besser geschmückten Mannes ausging, den man muß sich nun zusätzlich diese Objekte an ihrem Träger in Bewegung vorstellen, vielleicht dieser noch hoch zu Roß reitend welches passend zur Rüstung des Reiters eine eigene Rüstung trug, all dies durchaus vergleichbar einer  Frau. auf einem Fest , deren Kleid bewundernde Blicke auf sich zieht.

Und so ist es auch nicht weiter verwunderlich wenn diese Rüstungen in ihrer Ausarbeitung den damals vorherrschenden modischen Strömungen folgten, weil sie durchaus dazu angetan waren , der Eitelkeit ihrer jeweiligen Besitzer zu schmeicheln. Gute Rüstungen waren auch ein sehr beliebtes Geschenk das unter Staatsmännern gerne gemacht wurde und unterstreichen damit einmal mehr das hohe Ansehen, welches sie bei den Menschen der damaligen Zeit genossen.

Von den Plattnern, die diese Wunderwerke in Zusammenarbeit mit nahmhaften Künstlern ihrer Epoche herstellten, sind nur eine Handvoll bekannt. Sie wirkten u.a. in den Städten Augsburg, Insbruck, Mailand, Braunschweig.

Der Status eines guten Plattners läßt sich auch daran ermessen, das Kaiser Maximilian I. um 1501 in Insbruck eine eigene Hofplattnerei einrichtete und diese dem sehr fähigen Konrad Seusenhofer unterstellte, mit der Maßgabe nur für den Kaiser Maximilian I. arbeiten zu dürfen.